10th Berlin Biennale for Contemporary Art 9.6.–9.9.2018

21.07.2010 | KW Institute for Contemporary Art, 1. OG, Auguststraße 69, 10117 Berlin-Mitte

Klingend und Festgehalten

Konzert von Sven-Åke Johansson

21.7.2010, 21 Uhr

KW Institute for Contemporary Art, 1. OG, Auguststraße 69, 10117 Berlin-Mitte

Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro

 

 

Der Schlagzeuger, Performer, Künstler und Komponist Sven-Åke Johansson zählt zu den legendärsten Protagonisten frei improvisierter Musik. Als Schlagzeuger prägte Johansson mit EMT und im Duo mit Alexander von Schlippenbach den europäischen Free Jazz. In den 1970er Jahren begann er, Aufführungsideen in gezeichneten Partituren festzuhalten. Auf der Suche nach neuen Klängen arbeitet Johansson bereits seit den 1960er Jahren an der Musikalisierung von Alltagsgegenständen, die sich der steten Erweiterung und Poetisierung des akustischen Materials verschrieben hat. Seine großformatigen Zeichnungen von Hubschraubern sind im Rahmen der 6. Berlin Biennale am Oranienplatz 17 zu sehen.

 

Sven-Åke Johansson: Über „klingend“ ist nicht allzu viel zu sagen; dagegen über „festgehalten“. Das heißt, auch schon mit einbegriffen, „losgelassen“. Aber wann und wie ist demjenigen überlassen, der festhält, also ein rein persönliches Gefühl. – Im Gegensatz dazu „das Klingende“, das nur ein Merkmal des Materials ist; Saite, Fell, Metall u. a. – so liegt in dieser Möglichkeit dazu noch ein ganz differenziertes, langsames – nur dämpfend – sowie ein direktes Festhalten, bis zum Loslassen, ein unübersehbares Variationspotential, das es zu nutzen gilt für die Gestaltung in Musik.

Nicht mal Klangfarben, sondern Farben des Verstummens, Schrumpfens, des Zugedecktseins; sprachlich hört es sich amorph an, aber um in neue Felder der Musik, d. h. zu einem „Ausdruck“ – emotion real –, zu kommen, müsste erst einmal viel altes gebräuchliches Material „verklingen“* – sowie der Ausdruck „es verklang“* sozusagen zu „Klunker“* werden. Danach könnte aus dem Geschrumpften etwas Zeitiges werden, das es zu finden gilt.

Ein hoher Kraftaufwand ist erforderlich, um die verdeckten Klänge zutage zu bringen, eine Art Auswringen; umso edler können dann die Tropfen werden. Eine Form direkter Verschmelzung von Energie und Geräusch. Loslassen ist dann das, was letztendlich übrig bleibt. So ist es anstrebenswert auszuquetschen, um dann loslassen zu können.  – Losgelassen und frei zu sein ist es ja, was wir von der Musik wollen.

 

*siehe Leroy Anderson: Plink, Plank, Plunk.

 

 

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