10th Berlin Biennale for Contemporary Art 9.6.–9.9.2018

25.10.2011

Krytyka Polityczna in Berlin

The end of society. What is Political Critique?

Diskussion, Konzert, Party

25.10.2011, ab 20 Uhr

 

Ort: KW Institute for Contemporary Art, Auguststr. 69, 10117 Berlin

Eintritt frei

 

 

20 Uhr: Diskussion mit Ivan Krastev, Sławomir Sierakowski und Michał Sutowski

in englischer Sprache

 

Zynismus dominiert unsere Öffentlichkeit – die Prophezeiung des alten Sloterdijk gilt immer noch. Wir wissen alle, dass die gegenwärtigen Institutionen scheitern, hegemoniale Konzepte unsere Wahrnehmung

verführen, nackte Gewalt sich durchsetzt. Und? Nichts passiert. Politische Parteien haben keine Visionen, NGOs kämpfen für partikulare Anliegen, radikale Gruppen haben den Bezug zur Realität verloren. Wir versuchen, eine Alternative zu Zynismus und politischer Impotenz aufzuzeigen – in den letzten Jahren hat die polnische Krytyka Polityczna sich als Bewegung organisiert, die sowohl soziale Gruppe, Netzwerk-Institution, Think Tank und einflussreiche Gruppe ist, und vorhat, die Politik zu verändern; zuerst in Polen, dann im Osten und dann ... ? Funktioniert das und vor allem WIE funktioniert es – wir laden zur Diskussion in die KW Institute for Contemporary Art ein.

 

Ivan Krastev, Politikwissenschaftler, ist Vorsitzender der Geschäftsführung am Centre for Liberal Strategies in Sofia. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am IWM (Institut für die Wissenschaft am Menschen) in Wien. Ivan Krastev ist Gründungsmitglied des European Council on Foreign Relations und Mitglied des Kollegiums des International Institute for Security Studies IISS, London. Krastev ist Chefredakteur von Foreign Policy Bulgaria und stellvertretender Chefredakteur von Europe's World. Seine neusten Veröffentlichungen in englischer Sprache sind The Anti-American Century (hg. mit Alan McPherson), CEU Press, 2007 und Shifting Obsessions: Three Essays on the Politics of Anticorruption, CEU Press, 2004.

 

Sławomir Sierakowski, Gründungsmitglied, Chefredakteur und Herausgeber von Krytyka Polityczna. Er ist Aktivist, politischer Kommentator, Soziologe und Literatur- und Theaterkritiker. Er studierte Soziologie, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Warschau. Nach seinem Abschluss hat er an der Universität von München am Lehrstuhl von Ulrich Beck gearbeitet. Er wurde in der polnischen Öffentlichkeit bekannt, als er im Oktober 2003 den Offener Brief an die europäische Öffentlichkeit herausgab, unterschrieben von 250 Intellektuellen in Unterstützung des EU Beitrittsvertrags und des förderalistischen Models der europäischen Integration. Der Brief wurde in Le Monde, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in Gazeta Wyborcza und anderen europäischen Zeitungen veröffentlicht. Seitdem ist Sierakowski aktiv an politischen, sozialen und kulturellen Diskussionen beteiligt, die die polnische Öffentlichkeit gestalten. Er war zudem als Literaturkritiker für den polnischen Kulturfernsehsender tätig und hat als Theaterautor mit Jan Klata zusammengearbeitet – einem der einflussreichsten polnischen Theaterdirektoren. Seit 2008 nimmt Sierakowski als Schauspieler an Yael Bartanas Propagandafilmen zum „Jewish Renaissance Movement in Poland” teil.

 

Michał Sutowski ist Politikwissenschaftler und Autor bei Krytyka Polityczna und verschiedenen Zeitungen. Zudem arbeitet er mit unterschiedlichen Fernsehsendern zusammen. Sein Interesse gilt vor allem der Geschichte der demokratischen Opposition im Kommunismus in Polen, den politischen Ideen in Russland, dem gegenwärtigen, sozialen Leben in Russland und der politischen Philosophie von Carl Schmitt. Er ist leitender Redakteur der Zeitung Krytyka Polityczna und hat an der Universität in Warschau studiert.

 

22 Uhr: Politicsound: East/West

Konzerte von Marcin Masecki und Reinhold Friedl

 

Das Aufeinandertreffen zweier verschiedener Ansätze von zeitgenössischer, improvisierter Musik. Zwei Musiker, die sich auf das gleiche Instrument spezialisiert haben und – zufällig – in zwei verschiedenen Teilen Europas leben: im östlichen und westlichen. Zwei verschiedene Traditionen? Wirklich?

Wir laden Sie zu Solokonzerten zweier der interessantesten und versiertesten Vertreter der zeitgenössischen Musikszene Deutschlands und Osteuropas ein.

 

Marcin Masecki wurde 1982 in Warschau geboren. Bereits im Alter von zwölf Jahren nahm er regelmäßig an lokalen Jam Sessions teil und gründete sein erstes Trio. Von 1994 bis 98 studierte er an der Fryderyk Chopin Musikschule und schloss sich der Gruppe Alchemik an. Sie traten ausgiebig in ganz Europa auf, nahmen vier Alben auf und gewannen 1998 den Jazz Hoeilaart Wettbewerb. 2000 bekam Masecki ein Stipendium für das Berklee College of Music in Boston. Nach seinem Abschluss kehrte er nach Warschau zurück und wurde in der lokalen improvisierten/alternativen Szene aktiv. Unter anderem hat er mit Fred Frith, Tomasz Stanko und Pink Freud zusammengearbeitet. 2005 gewann er den ersten Preis beim International Jazz Piano Wettbewerb in Moskau und gründete die Band TAQ mit Ziv Ravitz und Garth Stevenson. 2008 gründete er die Band Paristetris mit dem argentinischen Sänger Candelaria Saenz Valiente und dem polnischen Multi-Instrumentalisten Macio Moretti. 2009 wurden sie für die Auszeichnung Artist of the Year des Kulturmagazins Aktivist nominiert. Masecki hat zwei Soloalben herausgebracht, Bob (2009) und John (2010).

Seine andere große Leidenschaft ist die klassische Musik. Seit 2007 ist er an dem monumentalen Prozess einer Aufnahme von Bachs Die Kunst der Fuge beteiligt. In der Außerdem gibt er regelmäßig Solokonzerte mit abwechslungsreichem Repertoire, welches insbesondere deutsche Musik aus dem 18. Jahrhundert umfasst.

 

Reinhold Friedl, geboren 1964, lebt seit 1987 in Berlin. Er studierte Klavier bei Renate Werner, Alan Marks und Alexander von Schlippenbach, sowie Mathematik und Musik in Stuttgart und Berlin. Als Künstler, Interpret and Komponist hat er zahlreiche Stipendien erhalten – darunter Eurocréation Paris, das Romstipendium (Villa Serpentara) der Berliner Akademie der Künste, oder STEIM Amsterdam – sowie zahlreiche Aufträge für Kompositionen. Reinhold Friedl hat Artikel in Zeitungen und Fachzeitschriften veröffentlicht und zusammen mit Prof. Behrends ein Seminar über „Musik und Mathematik” am Mathematischen Institut der Freien Universität Berlin gehalten.

Er gründete und leitet die Ensembles Piano-Inside-Out und ZEITKRATZER. Friedl hat als Kurator für das Podewil – Zentrum für aktuelle Künste in Berlin gearbeitet und leitete die Off-ICMC Berlin 2000. Er wurde in die Jury der Ars Electronica und der Calouste Gulbenkian Foundation in Lissabon eingeladen. Als Pianist und Komponist hat er mit namhaften Musikern und Komponisten zusammengearbeitet, darunter Lee Ranaldo (Sonic Youth), Phill Niblock, Helmut Oehring, Nicolas Collins, Lou Reed, MERZBOW, Radu Malfatti, Bernhard Guenter und Mario Bertoncini (nuova consonanza). Reinhold Friedl arbeitet hauptsächlich mit dem „Inside-Piano”. Er hat alle einschlägige Literatur unter Verwendung der Techniken von Inside-Piano gespielt, sowie verschiedene Artikel in diesem Bereich veröffentlicht. Am Theater hat er unter anderem mit Frank Castorf zusammengearbeitet.

 

 

im Anschluss: Party, Visualisationen, Musik, Klänge

Katarzyna Górna, Sławek Belina und Wojtek Zrałek-Kossakowski

 

Visualisierungen im Innenhof und den Räumlichkeiten der KW erzählen die Geschichte von neuen Protestbewegungen, die sich gegen das gegenwärtige Politik- und Wirtschafts-System richten, die Geschichte des Engagements von heute. Sie werden auch eine sinnvolle Illustration der geplanten Diskussion sein.

 

Vorbereitung des Videos: Katarzyna Górna und Sławomir Belina

Klangliche Illustration: Wojtek Zrałek-Kossakowski

 

Katarzyna Górna, geboren 1968 in Warschau. Zwischen 1989 und 1994 studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste Warschau. 1994 erwarb sie ihr Diplom an der Bildhauer-Fakultät. Górna arbeitet mit Fotografie, Fotoinstallationen und Videokunst. Sie lebt in Warschau und ist seit über zehn Jahren als Künstlerin tätig. Sie hat an verschiedenen, renomierten Kunstprojekten mitgeweirkt. Seit 2004 wird eine Ausstellung in bedeutenden polnischen Galerien gezeigt, die ihre Arbeiten der letzten Dekade zusammenfasst. Ihre Arbeiten sind Ikonen der polnischen Kunst und haben eine feste Position in der Geschichte zeitgenössischer Kunst. Katarzyna Górna’s Objekte sind Teil bedeutender Sammlungen, wie dem Zentrum für Zeitgenössische Kunst Warschau, der Galerie für zeitgenössische Kunst „Bunkier Sztuki“ Krakau, der „Zachęta” Galerie in Szczecin und verschiedenen polnischen und ausländischen Privatsammlungen. Górnas jüngste Werke erforschen den Transgenderismus und befassen sich mit dem Thema der sexuellen Identität.

 

Sławek Belina, geboren 1968 in Skierniewice. Fotograf, Künstler, Bildhauer, Videokünstler. Er hat bereits an zahlreichen bedeutenden Gruppenausstellungen teilgenommen. Seine Werke wurden in wichtigen polnischen Institutionen ausgestellt, darunter u. a. das Zentrum für Zeitgenössische Kunst Warschau (CSW), die „Zachęta“ Galerie in Warschau und die Galerie „Atlas Sztuki“ in Lódź. Belina arbeitet mit verschiedenen Medien, vor allem aber im Bereich der Fotografie. Eines der vorherrschenden Themen seiner Kunst ist der nackte Körper.

 

Wojtek Zrałek-Kossakowski, Dramaturg, Musik-Kurator, Publizist, Übersetzer. Als Dramaturg hat er u. a. mit Zbigniew Brzoza, Natalia Korczakowska, Krzysztof Minkowski und Katarzyna Raduszynska gearbeitet. Neben seinem Engagement am Theater ist er in verschiedene Projekte im Bereich Jazz und zeitgenössische Musik involviert. Er leitet das experimentelle DJ-Kollektiv Zralex und moderiert die Radiosendung „Free Poland“ auf radiojazz.fm, in welcher er Avantgarde- und experimentelle Musik vorstellt. Er ist Musik-Kurator am Kulturzentrum Nowy Wspanialy Swiat (Schöne Neue Welt) in Warschau und Mitglied der „Krytyka Polityczna“.

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