17.06.2010 | Hebbel am Ufer – HAU 1: Stresemannstraße 29, 10963 Berlin-Kreuzberg

La Monnaie Vivante /
The Living Currency / Die lebende Münze

Nach Pierre Klossowski, inszeniert von Pierre Bal-Blanc

17., 18., 19.6.2010, 19.30–0.30 Uhr

 

Ort: Hebbel am Ufer – HAU 1: Stresemannstraße 29,

10963 Berlin-Kreuzberg

 

Die Performances finden in beliebiger Reihenfolge statt. Der Eintritt ist jederzeit möglich.

 

Mit Performances und anderen Arbeiten von Marie Cool Fabio Balducci, George Brecht, Robert Breer, Pier Paolo Calzolari, André du Colombier, Ceal Floyer, Simone Forti, Prinz Gholam, Jens Haaning, Sanja Iveković, Tadeusz Kantor, Jiří Kovanda, Teresa Margolles, Roman Ondák, Christodoulos Panayiotou, Gianni Pettena, Pratchaya Phinthong, Santiago Sierra, Annie Vigier & Franck Apertet (les gens d’Uterpan), Franz Erhard Walther, Franz West, Artur Żmijewski;

sowie mit Partituren von Cornelius Cardew und Christian Wolff, dirigiert von Jean-Jacques Palix.

 

Programmfolder zum Download

 

Das sich wandelnde und wandernde Ausstellungsprojekt La monnaie vivante ist dem Vorhaben gewidmet, die vielfältigen gegenwärtigen, aber auch historischen Thematisierungen des Körpers in der bildenden Kunst mit den Körperauffassungen im Bereich von Tanz, Musik und Theater in Dialog treten zu lassen. 2006 in einem Pariser Tanzstudio konzipiert, war die Ausstellung bereits 2007 auf der Bühne des STUK kunstencerum in Löwen/Belgien sowie 2008 in der Turbinenhalle der Tate Modern in London zu sehen. In Kooperation mit dem Museum für Moderne Kunst Warschau entstand Anfang 2010 eine neue Version für das dortige Teatr Dramatyczny, einer klassischen Guckkastenbühne. Im Rahmen der 6. Berlin Biennale wird eine Weiterentwicklung von La monnaie vivante im Hebbel am Ufer (HAU) präsentiert: einem Theater, das vergleichbare Bühnenverhältnisse aufweist.

 

La monnaie vivante liegt eine Praxis des Ausstellungsmachens zugrunde, die das Gedächtnis nicht als Archiv auffasst. Das Projekt hat es sich zum Ziel gesetzt, dies am Beispiel der Performance aufzuzeigen sowie anhand älterer und neuerer Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Bereich der bildenden Kunst, die sich mit dem Verhältnis des Körpers zu einer ökonomisch geprägten Lebenswirklichkeit auseinandersetzen. Es sind Werke, die sich nicht auf das Prinzip eines materiellen Objekts oder Dokuments als Zeugnis einer Aktion reduzieren lassen, sondern durch ihre körperliche Präsenz im Jetzt in die Gegenwart gebracht werden. Die Künstlerinnen und Künstler, die sich einer linearen Sicht von Geschichte verweigern, reagieren auf den „unreinen“, unfertigen Charakter des Jetzt, indem sie Objekte, Protokolle, Szenarien, Partituren oder Regeln thematisieren, die in unserem Alltag wiederkehren, und den Betrachter in jene paradoxe Situation der sozialen „Interpassivität“ verstricken, die unsere Gegenwart prägt. Das Konzept der Ausstellung erforscht diese aktive Dimension der Werke – ein Ansatz, der zur Überwindung musealer Zwänge führt, die den Zugang zu den Kunstwerken „neutralisieren“, um ihre Überlieferung zu garantieren, und der außerdem eine Umgehung der Kriterien des Marktes darstellt, der den Einsatz solcher künstlerischen Strategien zugunsten marktkonformer Produkte zu verhindern sucht. Die durch das Ausstellungsprojekt herbeigeführte Situation stellt sich einer normativen Realität entgegen, die sich als alleingültiges Modell ausgibt. Mit dieser Vervielfachung der Vorgaben und Anwendungen weist das Projekt über die Dekonstruktion der Realität hinaus und plädiert stattdessen für eine Strategie der Wirklichkeitskonstruktion.

 

La monnaie vivante hebt die Trennung zwischen Zuschauer- und Bühnenraum des Theaters auf. Die Präsentationsweise der Werke unterläuft die traditionellen Codes einer Aufführung zugunsten einer unmittelbaren Erfahrung. Die Inszenierung wird zu einem Gemeinschaftsakt – einem Werk, das in Echtzeit von Kurator, Künstlerinnen und Künstlern und Mitwirkenden entwickelt wird, bestimmt von dem Rhythmus, in dem das Publikum sich durch den Raum bewegt. Sie findet im Hier und Jetzt statt, ohne Rücksicht auf eine Chronologie der Werke; auch die übliche Trennung zwischen Proben und Aufführung auf der Bühne wird nicht vollzogen. Die Ereignisse können aufeinander folgen oder simultan geschaltet sein, das Ausmaß ihrer Sichtbarkeit sowie ihre Interpretation hängen von der Aufmerksamkeit ab, die ihnen von den Mitwirkenden entgegengebracht wird. Der Betrachter wird zum Akteur eines Prozesses, dessen Dauer er selbst bestimmt – eine Stunde oder ein ganzer Abend, an einem einzigen oder auch noch am darauf folgenden Tag.

 

La monnaie vivante / The Living Currency / Die lebende Münze, nach Pierre Klossowski, wird inszeniert von Pierre Bal-Blanc für die 6. Berlin Biennale und realisiert in Zusammenarbeit mit dem Hebbel am Ufer (HAU) und dem Centre d’art contemporain de Brétigny (CAC Brétigny).

 

Mit großzügiger Unterstuützung von CULTURESFRANCE, Paris

und agnès b. endowment fund, Instytut Adama Mickiewicza, Warschau, The Danish Arts Council's Committee for International Visual Arts, Kopenhagen, The State Corperation for Spanish Cultural Action Abroad (SEACEX), Madrid und Italienisches Kulturinstitut Berlin.

 

Das Werk Näherei Nebtex von Jens Haaning wird realisiert in Zusammenarbeit mit Nebtex Berlin.

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La Monnaie Vivante, 2010. Installationsansicht 6. Berlin Biennale, HAU. Foto: Uwe Walter

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La Monnaie Vivante, 2010. Installationsansicht 6. Berlin Biennale, HAU. Foto: Uwe Walter

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La Monnaie Vivante, 2010. Installationsansicht 6. Berlin Biennale, HAU. Foto: Uwe Walter

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