10th Berlin Biennale for Contemporary Art 9.6.–9.9.2018

Video von Jacek Taszakowski

Schlacht um Berlin '45

Filmische Dokumentation von Reenactments

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sahen sich einige europäische Nationen genötigt, ihre Identitäten neu zu definieren. Dies beginnt immer mit einer Neuschreibung von Geschichte. Nationalstaaten führten eine Geschichtspolitik ein, die zurückliegende Ereignisse auf neue Weise formt, oft durch Bildungsprogramme oder die Errichtung von Museen und Denkmälern. Durch eine solche Form von Politik, die auf der Vergangenheit aufbaut, wird das Narrativ der Zukunft gestaltet.

 

Beispielhaft ist das Phänomen des „Volkstheaters” in Polen: Gruppen, die historische Ereignisse aufführen und neu inszenieren. Gekleidet in Kostüme, ausgerüstet mit alten Waffen und anderem militärischem Zubehör, nehmen echte Enthusiasten an diesen Events teil. Solche Reenactments sind inzwischen hoch populär und finden Unterstützung seitens lokaler Behörden.

 

Selbst wenn diese Spektakel vorgeben, Geschichte objektiv darzustellen, erzeugen sie doch in der Öffentlichkeit starke emotionale Rückwirkungen. Stellen Sie sich vor, direkt neben Ihnen schießen Soldaten aufeinander, finden Hinrichtungen und blutige Schlachten statt – doch Sie sind dabei in Sicherheit. Und nach Ende des Spektakels bietet sich vielleicht Gelegenheit, ein Erinnerungsfoto mit einem Soldaten in SS-Uniform zu machen.

 

Die 7. Berlin Biennale hat einige solcher Amateurgruppen eingeladen, eine Neuinszenierung der Schlacht um Berlin von 1945 zu erarbeiten. Diese spektakuläre Schlacht zeigt die Verteidigung der Reichshauptstadt von April bis Mai 1945 und die Kapitulation Berlins. Sie findet an öffentlichen Plätzen in Berlin und Warschau statt und wird inszeniert von Reenactment-Gruppen aus verschiedenen europäischen Ländern in den Rollen der Roten Armee, der 1. Polnischen Armee und der deutschen Truppen. Das gleiche Szenario wird in beiden Städten aufgeführt und richtet sich an die breite Öffentlichkeit. Angekündigt werden die Veranstaltungen durch einen Trailer, und im Anschluss wird eine Dokumentation im Deutschlandhaus präsentiert. Die Reenactments werfen Fragen nach den Mechanismen auf, durch die in den beiden Nachbarländern Erzählungen nationaler Identität konstruiert werden.

 

von Artur Żmijewski und Igor Stokfiszewski

 

Solidaritätsaktion #3: Centre for Contemporary Art Ujazdowski Castle

„Schlacht um Berlin ’45” ist eine Aktion in Solidarität mit dem CCA Ujazdowski Castle, Warschau. Mehr >

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