10th Berlin Biennale for Contemporary Art 9.6.–9.9.2018
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Glasarbeit von Peter Kowalski, Foto: Artur Żmijewski

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„Die Ausgewiesenen“ von Hermann Joachim Pagels, Foto: Artur Żmijewski

Deutschlandhaus als ausstellungsort

Ludwig Peter Kowalski

Hermann Joachim Pagels

Das heute als Deutschlandhaus bekannte Gebäude wurde 1926 als Ostflügel des angrenzenden Europahauses gebaut. 1933 wurden beide Gebäude durch die Regierung des „Dritten Reichs” übernommen und beherbergten in der Folge unter anderem das Reichsarbeitsministerium. Im Krieg beschädigt, wurden die Gebäude in den 1950er-Jahren renoviert und seitdem von verschiedenen Regierungsstellen genutzt. Ab 1960 diente das Deutschlandhaus unter dem Namen „Haus der ostdeutschen Heimat” verschiedenen Landsmannschaften sowie dem Berliner Landesverband des Bundes der Vertriebenen als Treffpunkt und widmete sich der Pflege und dem Erhalt „ostdeutschen Kulturguts”. 1974 wurde die Stiftung Deutschlandhaus gegründet und das Gebäude gleichlautend in „Deutschlandhaus” umbenannt. Im Haus finden sich mehrere Kunstwerke, darunter ein Fenstermosaik und Leuchtkästen von Ludwig Peter Kowalski (1891–1967) sowie eine Skulptur von Hermann Joachim Pagels (1876–1959). Pagels’ Werk Die Ausgewiesenen (1922) befindet sich im Erdgeschoss des Deutschlandhauses. Es zeigt deutsche Flüchtlinge, die vormals zu Deutschland gehörende Gebiete verlassen, die nach dem Ersten Weltkrieg an Polen oder Frankreich fielen. Pagels studierte an der Hochschule für die bildenden Künste in Berlin. In der Ausgabe der Enzyklopädie Wer ist’s? von 1908 beschrieb er seine politische Einstellung als „sozial-liberal”. Im „Dritten Reich” wurde er für Büsten von Hitler, Mussolini, Hess oder Goebbels berühmt, und die Nazis stellten sein Werk in den Großen Deutschen Kunstausstellungen (1937–1944) im Münchner Haus der Kunst aus.

 

Der schlesische Künstler Kowalski gestaltete 1950 für die in den Berliner Messehallen stattfindende Ausstellung Deutsche Heimat im Osten drei monumentale Buntglasfenster mit allegorischen Darstellungen Preußens (Landwirtschaft und Pferdezucht), Schlesiens (Bergbau und Leinweberei) und Pommerns (Landwirtschaft und Fischerei), die seit 1975 das Treppenhaus des Deutschlandhauses einfassen. Darüber hinaus schuf Kowalski einige Glasarbeiten, welche die Wappen aller heutigen Bundesländer und früheren deutschen Gebiete darstellen und ursprünglich im Bundeshaus in Berlin-Wilmersdorf – während der deutschen Teilung der Sitz des Bevollmächtigten der Bundesregierung in Berlin – zu sehen waren.

 

Metaphorisch gesehen scheint das Deutschlandhaus als Auffangbehälter für verdrängte oder ausgeschlossene Teile deutscher Erinnerung zu fungieren, auf die sich die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung (SFVV) nun neu konzentrieren möchte. Zurzeit ist das Deutschlandhaus geschlossen und wird für das Ausstellungs-, Dokumentations- und Informationszentrum der SFVV umgestaltet, das 2016 eröffnen soll und sich mit den Themen Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert auseinandersetzt.

 

von Artur Żmijewski und Joanna Warsza

 

Stück für Stück erinnern. Erste Objekte für die künftige Ausstellung

)Während und nach dem Zweiten Weltkrieg verließen Millionen Deutsche Regionen in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, die von deutschen Truppen besetzt worden waren, zuvor zu Deutschland gehört hatten oder eine deutsche oder gemischte Bevölkerung aufwiesen. [...]Mehr >

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Deutschlandhaus

Stresemannstraße 90, 10963 BerlinMehr >

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