10th Berlin Biennale for Contemporary Art 9.6.–9.9.2018
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Eisenhüttenstadt, Foto: Sandra Teigte

Gefiltert durch Eisenhüttenstadt

 

Es ist einfach, in Berlin Kultur anzubieten, wo sich immer ein paar Besucher zu einer Ausstellung einfinden werden – selbst wenn sie extrem schwierig oder extrem eigenartig ist. Aber wie verhält es sich mit „vergessenen” Städten wie Eisenhüttenstadt? Werden auch dort die Leute kommen, um sich Kunst anzuschauen?

 

Eisenhüttenstadt ist eine kleine Stadt im östlichen Brandenburg, 120 Kilometer entfernt von Berlin. Sie entstand 1950 als „Stalinstadt”, eine sozialistische Modellstadt der DDR. Viele ihrer Einwohner waren im nahe gelegenen Stahlwerk beschäftigt (das heute zur weltgrößten Stahlfirma ArcelorMittal gehört). Seit sich Westdeutschland die DDR einverleibt hat, schrumpft die Stadt – etwa 20.000 Einwohner sind seit der Wiedervereinigung weggegangen. Eisenhüttenstadt scheint kein Gewinner der deutschen Transformation zu sein. Das Stadtzentrum ist spektakulär – restaurierte Gebäude im Stil des Sozialistischen Realismus, offene, sonnige Plätze und breite, etwas verlassen wirkende Straßen. Kulturelle Angebote sind rar.

 

Das Projekt beruht auf der Idee, einen Raum im Zentrum von Eisenhüttenstadt zu eröffnen und dort kulturelle Aktivitäten durchzuführen. Das Programm ist von zwei Berliner Kunstinstitutionen entwickelt worden: Berliner Künstlerprogramm/DAAD und me Collectors Room Berlin/Stiftung Olbricht. Mit der Organisation von Programmen in Eisenhüttenstadt und der Anwesenheit vor Ort stehen sie vor der Herausforderung, „gefiltert” und infrage gestellt zu werden. Die Idee ist, aktiv zu handeln und zu versuchen, die Bürger zu verstehen, ihre jeweiligen Bedürfnisse und die Situation in der Stadt. Was könnte das den Bürgern bringen – falls es überhaupt etwas bringt? Und inwiefern werden die Berliner Akteure gezwungen sein, ihre eigene Rolle als Institutionen zu überdenken?

 

von Artur Żmijewski

Draftsmen’s Congress in Eisenhüttenstadt!

Nachdem die St. Elisabeth-Kirche für das Publikum geschlossen wurde, ist der „Draftsmen’s Congress” nach Eisenhüttenstadt in die Straße der Republik 37 gezogen.Mehr >

BB7_Eisenhüttenstadt_©AgaSzreder_137

Sichtwechsel

me Collectors Room Berlin/Stiftung Olbricht

 

Eine 5. Klasse der Gustav-Falke-Grundschule aus Berlin tauscht sich mit gleichaltrigen Schülern der Schönfließer Grundschule aus Eisenhüttenstadt über besondere Orte und wundersame Kunstobjekte in ihrer Stadt aus.

Die Berliner Schüler schicken ein Wunderkammerobjekt aus dem me Collectors Room Berlin nach Eisenhüttenstadt und erhalten im Tausch dafür eine kulturhistorische Rarität aus Eisenhüttenstadt. Wie lassen sich die „entwurzelten” Kuriositäten in die neue, fremde Umgebung einpassen?

 

Die Suche nach einer spannenden Kulisse, fantasievollen Geschichte, surrealen Form- und Materialanalogie beginnt und wird von den Fotografen Jana Ebert (Berlin) und Ben Kaden (Eisenhüttenstadt) dokumentiert.

Das Projekt gibt den Schülern die Möglichkeit, ihre Erfahrungen, Empfindungen, ihr Wissen und ihre Gedanken über Kunst und Kultur in einem kreativen, fantasievollen und identitätsstiftenden Kontext zu teilen. Am Ende werden sie gemeinsam ihren „Sichtwechsel” in einem Foto-Text-Buch zusammenstellen und der Öffentlichkeit präsentieren.

 

von Charlotte Esser

 

Die Gustav-Falke-Grundschule ist seit 2010 Partnerschule des me Collectors Room Berlin/Stiftung Olbricht.

 

http://www.me-berlin.com/

 

 

Satelliten-Residency in Eisenhüttenstadt

Berliner Künstlerprogramm/DAAD

Von Mai bis Juli 2012 richtet das Berliner Künstlerprogramm in Eisenhüttenstadt eine Satelliten-Künstlerresidenz ein – bestehend aus einer Wohnung und einem Arbeitsraum, der auch als Veranstaltungsort genutzt werden kann. Die aktuellen internationalen Gäste des Künstlerprogramms sowie mehrere ehemalige Gäste sind eingeladen, einige Tage oder Wochen in Eisenhüttenstadt zu leben und zu arbeiten. An den Aufenthalt sind keine weiteren Auflagen geknüpft. Den Künstlern steht es frei, die Stadt als Rückzugsort zu nutzen, sich mit der Architektur der sozialistischen Planstadt zu beschäftigen oder beispielsweise die benachbarte Woiwodschaft Lebus jenseits der Oder zu erkunden. Im Verlauf des Projektes findet eine gemeinsame öffentliche Veranstaltung in Eisenhüttenstadt statt. Zusätzlich können die Künstlerinnen und Künstler vor Ort (mit Unterstützung der lokalen Partner) eigene Wege an die Öffentlichkeit suchen. Treffen mit interessierten Eisenhüttenstädtern, zum Beispiel Historikern, Politikern, Lehrern, Journalisten, Kulturschaffenden oder Mitarbeitern des die Stadt bis heute prägenden Stahlwerks, sind geplant.

 

von Ariane Beyn

www.berliner-kuenstlerprogramm.de

www.daadgalerie.de

www.forgetfear.wordpress.com

 

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